Die "Dekade zur Überwindung von Gewalt" wurde von der evangel. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde und der kath. St. Andreas- Gemeinde aufgegriffen.
Der ökumenische Arbeitskreis und die EBW haben in ihrer Veranstaltungsreihe "Gewalt hat viele Gesichter" zum Mitmachen aufgerufen.
Praktische Beispiele aus dem alltäglichen Leben sollen dazu ermuntern, für den Frieden in unserem Stadtteil einzutreten.
Mit der Besinnung "Was ist das für ein Kreuz" - Gedanken zum Friedenskreuz im Dietenbachgelände, haben wir begonnen, Texte in diesem Rahmen zu veröffentlichen.
Nun folgt ein weiterer Text von Manfred Kluth.
"Bereit sein, auch in schwierigen Situationen Friede zu schließen" - Belästigungen oder was?
Jugendliche und darunter auch s e h r Jugendliche haben in ihren Stadtteilen Plätzchen, wo sie sich gerne treffen.
So ganz ohne jegliche Einmischung von besserwissenden Erwachsenen wollen sie da ihre Zeit verbringen. Der Ablauf solcher Zusammenkünfte ist nicht immer im Sinne der angrenzenden Nachbarschaft. Das Verhalten der Erwachsenen ist aber auch nicht immer im Sinne der dort verweilenden Jugendlichen.
Wenn sich nun ein beliebiger Erwachsener mit erzieherischen Parolen die Jugendlichen zurechtweist, gibt es böse Worte. Aber wer kümmert sich eigentlich wirklich um die Jugendlichen? Es gibt Mütter, die ihre Kinder nur noch zum Mittagessen in die Wohnung einladen. Aber dann heißt es: "Geh auf die Strasse zu deinen Kumpels und lass mich in Ruh"! Die Konflikte sind so gesehen schon vorbereitet:
Vernachlässigte Jugendliche, vorher Kinder, die sie sind, die in gewissen Saufgelage- oder Randalierergruppen ihr Glück und Heil suchen, wobei einer dem anderen bestätigt, wie cool er doch sei.
Brutale Schlägereien sind nicht selten, und kriminelle Energie kommt auf, wenn vor allem auch noch Drogen ins Spiel kommen.
Trotz allem: Es nützt wenig, wenn Bewohner zum Fenster rausbrüllen oder gar mit Polizei drohen. Gerede am Tag danach, wie schlimm sich doch diese Jugendlichen am Vorabend benommen hätten, hilft auch niemandem.
Wenn mal wieder so eine Gruppe lautstark auf der Bank unter den Bäumen sitzt, egal in welchem Stadtteil auch immer, so dachte ich, setze dich doch einfach mal dazu und rede mit. Wenn nur e i n e r von denen zuhört, hören später auch die anderen zu, auch wenn mal ihre Antworten aus der untersten Müllkiste kommen. Denn für manchen Jugendlichen ist es doch eine neue Erfahrung, daß man mit Erwachsenen ein paar Takte reden kann.
Das wollte ich ausprobieren.
In der Mitte der voll besetzten Bank war noch ein Platz frei: Ein Platz für mich warum nicht? Einige kannten mich etwas. Aha! Keine Aggression, sondern Neugier. Ein Wortgeplänkel entwickelte sich, bis wir wieder freundlich auseinander gingen. Ein kleiner Erfolg! In der Folgezeit setzte ich mich öfter zu ihnen. Allmählich konnte ich in aller Ruhe auch die Störungen, die ihre Treffen der Nachbarschaft bereiteten, ansprechen.
Das Sauf- und Gegröhletheater auf der Bank unter den Bäumen ist viel weniger geworden.
Und das ohne Polizei und sonstige fruchtlose Drohungen.
Wunder habe ich keine vollbracht, aber ich habe einfach mal die Fronten gewechselt, statt Krieg zu führen.
Ich wurde ein klein wenig Teil ihrer Gedanken und habe gezeigt: Ich bin gegen Gewalt und für den Frieden. (Manfred Kluth)